Wer kennt das nicht? Da möchte man seine Authentizität leben und dann kommen einem Ängste und Zweifel entgegen. Typisches Beispiel aus dem Leben:
Anna fragt Tim, ob er was dagegen hat, wenn sie bei ihm die Hausaufgaben abschreibt. Tim hat eigentlich was dagegen, möchte aber nicht unbeliebt erscheinen und sagt daher ja.
Eine andere Szenerie: Simon hat Gefühle für Klara, Klara hat Gefühle für Simon. Bei einer Party treffen die beiden aufeinander. Keiner weiß von den Gefühlen des Anderen. Anstatt sich anzulächeln und näher zu kommen, spielen beide cool und ignorieren den Anderen. Der Klassiker schlechthin.
Wieso ist es so schwer, Nein zu anderen zu sagen und sich unbeliebt zu machen? Wieso ist es so schwer, sich verletzlich zu zeigen? Wo biegte die Menschheit ab in Richtung Robotik?
Schon vor Millionen von Jahren.
Mit der Herde mitzuschwimmen hat unseren Vorfahren das Leben gesichert. Dieses ‘Opfer’ hat unsere jetzige Generation zur Folge. Und wir leben nach dem Copy und Paste Prinzip. Als Kinder haben wir gelernt, dass ehrlich sein nicht immer belohnt wird. So wurden wir vielleicht ausgelacht, wenn wir unsere wahren Gefühle gezeigt haben oder wir sollten uns nicht so anstellen etc. Schnell entdeckten wir den Coolness-Schleier, den wir uns bei solchen Gelegenheiten überwerfen konnten.
Es gibt ethnische Bevölkerungsgruppen, bei denen die Wahrheit mehr zählt als ein falsches Lächeln. Für alle anderen bedeutet der Wandel zur Authentizität Arbeit.
Zwar sollte man meinen, dass in der heutigen modernen Gesellschaft mit all den modernen Werten andere Richtlinien gelten, aber Pustekuchen.
Der Psychologe Solomon Asch hat in den 50er Jahren eine Studie durchgeführt, die zeigte, dass Menschen sich von der Meinung der Mehrheit überzeugen lassen. Eine Testperson sollte zwei Linien der gleichen Länge auf zwei verschiedenen Papieren finden. Weitere Testpersonen, die eigentlich Schauspieler waren, befanden sich im gleichen Raum und wählten absichtlich die falsche Linie aus. Mit der Zeit ließen sich die eigentlichen Testpersonen so verunsichern, dass sie lieber mit der Mehrheit die falschen Linien auswählten, als die Wahrheit zu sagen.
Wir schwimmen also lieber in der Herde mit, als die Wahrheit zu sagen und aufzufallen. Es ist verständlich, hier ist es sicher. Und deswegen behaupte ich:
Authentizität bedeutet Mut.
Mut, die Wahrheit zu erkennen.
Mut, die Wahrheit zu fühlen.
Mut, die Wahrheit zu zeigen.
Mut, die Wahrheit zu leben.
Und es geht hier hauptsächlich um die eigene Wahrheit. Nicht um eine, von der mein Ego annimmt, dass sie für alle gelten muss. Wir wollen keinen Doktrinieren.
Wir wollen revolutionieren.
Wenn wir uns für ein Leben in Wahrheit entscheiden, dürfen wir wie damals als Kind langsam aber sicher lernen, dass es sicher ist, authentisch zu sein.
Wenn uns das gelingt, führt es zu einem Leben, das erfüllter, befreiter und erfolgreicher ist als ein Leben hinter Coolness Schleiern.