Hallo Stress
Manchmal habe ich das Gefühl, dass stressfrei nicht mehr existiert. Vor allem für Frauen besteht eine etliche Mehrbelastung:
soziale und berufliche Verpflichtungen, politische Situationen, familiäre Strukturen – you name it.
Gesund ist das nicht, das wissen wir. So neigen Frauen dazu, alles herunterzuschlucken und ihre Grenzen bis zum Äußersten zu strapazieren. Die Folgen sind Burnout, Angstzustände und ein kaputtes Selbstbewusstsein.
Und das Fiese ist: Stress ist hausgemacht.
Heute darf die moderne Frau alles.
Aber eigentlich auch nicht.
Ist sie zu gluckenhaft, soll sie arbeiten gehen.
Ist sie nur am Arbeiten, ist sie eine Rabenmutter. Hat sie zu viele Verehrer, sollte sie sich mal ihre Rocklänge anschauen. Irgendwas ist ja immer.
Kinder, Arbeit, Haushalt, Beziehung, Freundschaften, Selbstverwirklichung.
Während sie alles jongliert, verliert sie das Wichtigste: den Kontakt zu sich selbst.
Wir sehen unser Leid, scherzen darüber – und halten trotzdem daran fest. Falscher Stolz?
Manche verstehen es sogar als Teil ihrer Identität: So bin ich eben. Ich bin eine Frau (, die alles kann).
Männer sehen die Wäsche auf der Treppe nicht? Muss wohl an der DNA liegen, eine magische Brille zeigt die weibliche Sicht der Dinge. Auf einmal ist die ganze Unordnung erkennbar. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Der Anfang des Ausstiegs ist ‘einfach’:
Sei bereit, diesen Teil deiner Identität loszulassen. Hör auf, es als normal anzusehen. Erkenne es als das, was es ist. Als eine Rolle, die du nicht mehr tragen willst.
Der folgende Mindset Shift soll dir dabei helfen, alte Strukturen aufzubrechen und dich neu aufzustellen.
Mindset Shifts für den Ausstieg
1. Weiblichkeit neu verstehen
Jeder Mensch trägt weibliche und männliche Energien in sich. Weiblich, das sind die passiven, weichen, zyklischen Eigenschaften. Männlich, das sind die zielgerichteten, harten und aktiven Eigenschaften. Jeder Mensch ist ein Yin und Yang Potpourri. Wie viel davon bei jedem einzelnen zum Vorschein kommt, entscheidet jeder für sich – wenn der- oder diejenige dessen erst einmal gewahr ist.
Das Problem:
Wenn du ständig in der männlichen Energie von Tun, Kämpfen und Planen fest hängst,
verlierst du den Zugang zu deinem inneren weiblichen Anteil. Dem Ort, wo du dich ganz fühlst und Energie schöpfen kannst. Dies ist eine eher unbekannte Quelle für Stress bei Frauen.
Lerne wieder, dich hinzugeben – dem Leben, dem Moment, deinem Körper.
Nicht, weil du schwach bist, sondern weil du genug bist.
Eine mächtige Übung ist es, für eine halbe Stunde im Halbdunkeln/Dunkeln zu sitzen, Tee zu trinken und nichts zu machen, außer zu atmen, die Gedanken schweifen zu lassen und zu sein. Glaub mir, klingt einfacher als es ist.
2. Grenzen setzen und klare Kommunikation
Grenzen sind deine neuen besten Freunde. Genauso wie Worte. Sag, was du willst – nicht, was du denkst, was andere hören wollen. Lass sie auch nicht raten, was hinter deinem Verhalten stecken könnte. Missverständnis ist eine Quelle, die wir durch klare Kommunikation vermeiden können. Lass keinen Spielraum für falsche Deutungen zu.
Wenn du Dinge immer wieder durchgehen lässt, obwohl du Nein zu ihnen gesagt hast, gewöhnt sich dein Umfeld daran, dass deine Grenzen dehnbar sind. Ich weiß, es ist schwierig. Vor allem am Anfang. Rechne damit, dass Widerstand aufkommen wird. Das ist normal. Bleib stark.
Gib nicht des Friedens wegen nach. Nein, du bist nicht lieb und verständnisvoll und eine Elfe auf Regenbogen Crack. Du bist ein Mensch.
3. Umarme das Chaos
Ja, dann sieht die Wohnung eben bescheiden aus.
Das Geschirr ist nicht weggeräumt, die Wäsche stapelt sich. Staubmäuse bekommen einen Namen. Wen juckts? Vermutlich nur dich. Weil du deine perfekte Fassade nicht mehr aufrecht erhalten kannst.
Aber du bist kein Dienstleistungsunternehmen für ein Hochglanzmagazin.
Erlaube dir, nicht perfekt zu sein.
Stress wird bei vielen Frauen durch eine unordentliche und dreckige Wohnung ausgelöst. Ich weiß das. Aber wie viel Perfektionismus ist gesund? Hier ist ganz wichtig, dass du alle mit ins Boot holst. Führe ein Punktesystem ein und belohne all die, die dich im Haushalt unterstützen. Du bekommst natürlich auch Punkte – jeder Wisch zählt! Der Gewinner erhält am Ende der Woche eine lukrative Belohnung!
Und das führt uns zum nächsten Mindset Shift:
4. Alle mit ins Boot holen
„Ich schaffe das alleine!“ – Wer kennt ihn nicht, diesen Satz?
Doch wahre Stärke zeigt sich darin, Schwäche zuzulassen.
Um Hilfe zu bitten. Gemeinschaft zuzulassen.
Denk an die Großfamilie, die vor einigen Jahrzehnten noch Gang und Gäbe war. Es war normal, alles zusammen zu tun. Lass es wieder normal werden.
Lass den Teil der Identität los, der Superwoman spielen möchte, denn es gibt keinen Award dafür.
Damit deine neue Identität so richtig Fundament bekommt, gibt es hier noch ein paar praktische Übungen dazu.
Praktische Übungen
1. Veranker dich wieder in deinem Körper.
Lege die Hand auf dein Herz. Atme tief, bis du dich wieder spürst. Ein einziger bewusster Atemzug kann den Unterschied machen.
Bewege dich. Tanze, strecke dich, geh barfuß. Schüttel deine Glieder regelmäßig aus. Nicht, um die Gefühle weghaben zu wollen. Sondern um deine Heilungskräfte zu aktivieren. Komm aus dem Kopf, hinein in deinen Körper.
Wenn du dir immer wieder Pausen gönnst und dich in deinem Körper verankerst, kann dein Körper von Überlebensmodus auf Lebensmodus zurückschalten.
2. Schreib es dir von der Seele.
Schaffe dir ein Tagebuch an, in dem du dir alles von der Seele schreibst. Eine gute Zeit ist Abends, kurz vor dem Schlafen gehen oder morgens, bevor das Chaos über dich hereinbricht.
Was war heute zu viel?
Was hat mir heute gutgetan?
Wo benötigst du Unterstützung?
Setze diesen Punkt um, selbst wenn du glaubst, du hättest keine Zeit dafür. Es müssen keine Romane werden, kurze Stichworte und Gedanken reichen vollkommen aus.
3. Mach dich zur Nummer 1.
Erstaunlicherweise haben viele Frauen damit Schwierigkeiten. Zuerst kommen die Kinder, dann der Partner, eventuell das Haustier, Verwandte und Freunde. Dann, aber auch nur vielleicht, ist Frau selber an der Reihe.
Denk an die Sauerstoffmasken im Flugzeug. Jeder weiß, dass man erst sich selbst helfen soll, bevor man andere unterstützt. Das gleiche Prinzip greift im Alltag. Wovon willst du geben, wenn du bewusstlos auf dem Boden liegst?
Frage dich jeden Tag: Was brauche ich heute unbedingt? Dann erfülle dir dieses Bedürfnis. Manchmal ist es nur eine Umarmung der besten Freundin. Manchmal ist es die Auszeit im Spa oder die fünf Minuten Kaffeepause, in der du einfach nur Löcher in die Luft starrst.
4. Sag „Nein“, wenn du „Nein“ meinst.
Ein Nein zu anderen ist oft ein Ja zu dir selbst.
Du musst dich nicht rechtfertigen.
Mach diese Woche zu einer Nein- Woche und sage großzügig zu allem Nein, was dir nicht gut tut, was dir zu viel wird und worauf du keine Lust hast. Wenn du Schwierigkeiten damit hast, tu dich mit einer Freundin zusammen und mach daraus einen Wettbewerb. Wer von euch hat öfters Nein gesagt?
5. Suche Nähe, nicht Perfektion.
Sprich aus, was dich bewegt.
Nähe heilt – nicht Kontrolle.
Erlaube deinem Partner und deinen Kindern zu sehen, dass du an deiner Grenze angekommen bist. Suche das Gespräch anstatt einer Ideologie hinterher zu laufen. Wie wir oben gelernt haben, helfen bei Stress besonders soziale Beziehungen uns Frauen zu regenerieren.
Hier ist deine Yin-Qualität gefragt, mit der du die harten Schichten deines Selbstschutzes ablegen kannst. Verabschiede dich bewusst von der Rolle der Kriegerin, und sei es nur für ein paar Stunden.
Stress loszulassen bedeutet aufgeben. Nicht sich selbst, sondern Rollen und Glaubenssätze, die nicht gut für uns sind. Wenn wir unsere Identität ändern, ändern wir auch unser Verhalten.