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Perfektionismus überwinden

Warum dein Selbstwert nicht von Ergebnissen abhängen sollte

Hand aufs Herz: Perfektionisten waren wir alle schon einmal. Vor allem in Bereichen, die uns besonders nah liegen oder in solchen Momenten, in denen wir die Konsequenzen fürchten.

Perfektionisten haben definitiv ihren Platz in der Gesellschaft. Warum? Sie heben die Messlatte an: Sie sorgen dafür, dass kontinuierlicher Fortschritt in der Gesellschaft stattfindet, dass Qualität sich von Ramsch-Angeboten unterscheidet und dass Vertrauen zwischen Menschen bestehen bleibt. Es gibt einen Unterschied zwischen der fehlenden Schraube nach der Ikea-Bauanleitung und der fehlenden Schraube im Flugzeugsitz. Fehlerquellen werden ausradiert, Prozesse verbessert und Standards erhöht.

Die Schattenseite kennen wir aber auch: Der hohe Anspruch kann dafür sorgen, dass wir unsere Entscheidungen so lange hinauszögern, dass es zu gar keiner Entscheidung kommt. Hallo Prokrastination. Nichts mit Fortschritt. Chancen werden verpasst, viel zu viele Vergleiche werden angestellt und der Selbstwert sinkt in das tieferliegende Kellerloch.

Das eigentliche Problem ist dabei oft nicht der hohe Anspruch an sich, sondern die Frage, woran wir unseren Wert als Mensch knüpfen.

Perfektionismus und der Selbstwert

Perfektionismus ist schwierig, wenn dein Selbstwert an Ergebnisse gekoppelt ist. Dann schwankt er je nach Resultat. Wenn du super Ergebnisse produzierst, dann ist er hoch: Schaut mal, wie toll ich bin. Wenn du schlechte Ergebnisse produzierst, dann ist er niedrig: Bitte nicht schauen, ich bin ein Versager.

Wer bin ich, wenn ich scheitere?

Wenn du dir ganz ehrlich diese Reflexionsfrage stellst und deine Antwort eher negativ ausfällt, besteht die Möglichkeit, dass du deinen Selbstwert vom Ergebnis abhängig machst. Vielleicht hast du gelernt, dass du nur Liebe und Anerkennung erhältst, wenn du mit Einsen nach Hause kamst. Oder hast sogar eine Strafe erhalten, wenn es nicht der Fall war.

Scheitern ist übrigens der Motor der Erfindung. Sicherlich hast du schon mal gehört, dass Edison etliche Versuche brauchte, bevor er die Glühbirne erfand. Hinfallen ist nicht das Problem. 

Ich lade dich jetzt herzlich, aber bestimmt dazu ein, deine Sichtweise zu ändern. Denn, Ergebnisse sind nie vollständig kontrollierbar. Verhalten hingegen schon.

Der Wandel

Erfolgreiche bzw. selbstbewusste Menschen verknüpfen ihren Selbstwert weniger mit dem Ergebnis als vielmehr mit dem Prozess. Sie identifizieren sich mit ihrem Verhalten.

Ich schreibe regelmäßig, also bin ich Autor. (Im Gegensatz zu: Ich veröffentliche Bücher.)

Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio, also bin ich sportlich.

Ich lerne kontinuierlich dazu, also bin ich jemand, der wächst.

Der entscheidende Unterschied: Das Ergebnis wird zu einer möglichen Folge des Verhaltens und nicht mehr zur Voraussetzung für den eigenen Selbstwert.

Allein diese Einstellung und Sichtweise können schon dazu führen, dass wir viel leichter zu den gewünschten Ergebnissen kommen. Denn plötzlich müssen wir nicht mehr perfekt sein. Wir müssen nur noch die Person sein, die die entsprechenden Dinge regelmäßig tut.

Dies ist auch ein wesentlicher Punkt, um Veränderungen im Leben anzustreben: der Identitätswechsel. Je mehr man sich mit den Handlungen der neuen Identität identifiziert, desto leichter gelingen die neuen Verhaltensweisen.

Wer sich als Läufer sieht, geht laufen. Wer sich als Leser sieht, liest. Wer sich als Unternehmer sieht, trifft Entscheidungen. Die Identität erzeugt Verhalten – und Verhalten erzeugt Ergebnisse.

Fazit

Vielleicht geht es also gar nicht darum, den Perfektionismus vollständig abzulegen. Vielleicht geht es vielmehr darum, den Fokus zu verschieben: weg vom perfekten Ergebnis und hin zu den täglichen Handlungen. Denn langfristig verändert nicht das perfekte Ergebnis unser Leben, sondern die Person, die wir durch unsere Gewohnheiten werden.

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