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loslassen mit 10 FRAGEN

„Loslassen“ – ein Wort, das so oft über die Lippen geht und doch von so vielen Missverständnissen umgeben ist. Die Foren im Netz sind voll von Geschichten über gebrochene Herzen, die nicht überwunden werden können. Über Beziehungen, die schon längst vorbei sind oder nie angefangen haben, aber dennoch in den Köpfen und Herzen bestehen bleiben. 

Wieso ist das so und warum haben so viele von uns Schwierigkeiten, loszulassen? Schauen wir uns die Definition von Loslassen an, haben wir beide Fragen beantwortet. Denn Loslassen gehört zur Königsdisziplin.

Was bedeutet es, jemanden loszulassen?

Loslassen bedeutet, jemanden sein zu lassen. Es heißt, zu akzeptieren, dass die andere Person ihr eigenes Leben lebt, eigene Wünsche verfolgt – und dass man selbst möglicherweise kein Teil mehr davon ist. Es bedeutet, den Wunsch loszulassen, Zeit mit dieser Person zu verbringen oder gar das Leben mit ihr zu teilen. Einfach ausgedrückt: Loslassen ist, die Kontrolle und den Einfluss auf jemanden aufzugeben. 

Loslassen bedeutet Abschluss. Es bedeutet, dass es – was auch immer ‘es’ für dich sein mag – jetzt wirklich vorbei ist. Danach gibt es kein Zurück mehr. Das kann beängstigend sein.

Loslassen bedeutet auch, ok damit zu sein, der/die VerliererIn zu sein. Die Person, die letzten Endes leer da steht. Und genau deswegen ist Loslassen so schwer. Keiner will Verlierer sein. Dass wir durch das Loslassen etwas gewinnen können, wird oft übersehen. Es mag der Tatsache geschuldet sein, dass dieser Gewinn nur für uns sichtbar ist und die andere Person davon vielleicht nie erfahren wird.  

Loslassen lässt sich wunderbar an folgendem Bild erklären: Wenn du einem Kleinkind etwas wegnimmst, hält es mit aller Kraft fest und beginnt zu schreien, wenn du es ihm entreißt. 

Warum sollten wir als Erwachsene besser darin sein? Dieses „Meins“-Gefühl, das wir als Kinder entwickeln, bleibt tief in uns verankert. „Das ist mein Job, mein Partner, mein Glück.“ Wenn wir loslassen, fühlen wir uns, als wäre unsere Hand plötzlich leer. Die Kunst besteht darin, zu lernen, diese leere Hand zu akzeptieren – oder sie mit etwas Neuem zu füllen.

Was tun, wenn man nicht loslassen kann?

Wenn du merkst, dass du nicht loslassen kannst, ist das ein Zeichen dafür, dass du noch nicht bereit bist, den Preis dafür zu zahlen. Und das ist in Ordnung. Loslassen ist ein Prozess, der oft mit einem Verlustgefühl einhergeht. Es fühlt sich an, als würdest du etwas aufgeben, ohne direkt etwas Wertvolles dafür zurückzubekommen. Es ist schmerzhaft, etwas zu beenden, das innerlich noch nicht abgeschlossen ist. Nimm dir Zeit. Loslassen geschieht nicht von heute auf morgen, es erfordert innere Arbeit und Geduld.

Ein Fehler, den wir oft übersehen, ist es, mit der Aufmerksamkeit bei der anderen Person zu bleiben. Also uns auf diese Person zu konzentrieren als auf uns und die inneren Prozesse. Das Stichwort heißt Eigenverantwortung, fühlt sich genauso trocken an wie es klingt, birgt aber eine enorme Kraft in sich. Denn damit nimmst du die Energie wieder zu dir und kannst sinnvoll mit ihr umgehen. Wenn du die Fragen weiter unten beantwortest, wirst du wissen, was ich damit meine. 

Loslassen für Profis

Loslassen bedeutet oft, nicht nur eine Person loszulassen, sondern auch die damit verbundenen Wünsche, Hoffnungen und Träume. Der Wunsch, dass genau diese Person dir Glück, Liebe oder Geborgenheit schenkt. Doch wie lässt man los, wenn man tief im Inneren glaubt, dass nur diese eine Person uns glücklich machen kann? Das ist die große Herausforderung, die du mit Innenschau meistern kannst.

Übrigens: Loslassen einer Person, mit der man keine Beziehung gehabt hat, aber gerne eine gehabt hätte, gehört zur Königsklasse. Dieses unerträgliche Wissen im Hintergrund, es nicht einmal erlebt zu haben, kann zermürbend sein. Nicht zu vergessen die lieben Mitmenschen, die einem einreden wollen, dass es doch gar keine richtige Beziehung war und daher einfach sein muss, die Person loszulassen. Lass dich davon nicht irritieren. Behandle deine Situation genauso, wie wenn ihr eine Beziehung gehabt hättet. 

Wie lasse ich los?

Es gibt kein universelles Rezept für das Loslassen. Doch bestimmte Zutaten sind immer gleich: Innere Reflexion, Zeit, Ehrlichkeit und Mut. Du musst dich selbst verstehen und bereit sein, den nächsten Schritt zu gehen.

Um diesen Prozess zu beginnen, empfehle ich dir, deine Gedanken schriftlich festzuhalten. Versuche nicht zu viel darüber nachzudenken, sondern schreibe einfach, was dir in den Sinn kommt. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten – hier geht es um dein Herz, nicht um Logik.

Zehn Fragen, die dir helfen können, loszulassen:

  1. Was bedeutet diese Person wirklich für dich? Schreibe alles auf, was dir einfällt. Welche Gefühle oder Bilder kommen dir in den Kopf, wenn du an sie denkst?
  2. Welche Eigenschaften schreibst du dieser Person zu? Welche dieser Eigenschaften möchtest du auch für dich? ZB schreibst du der Person zu, dass sie selbstsicher, frei und unabhängig ist? Kannst du diese Eigenschaften auch in dir finden bzw. kultivieren?
  3. Was lebt diese Person, was du nicht lebst? Soziale Anerkennung? Bilderbuchleben?
  4. Welche Gefühle möchtest du durch diese Person fühlen? Geliebt? Angenommen? Wertvoll? Wie kannst du dich jetzt schon so fühlen? Durch wen kannst du dich jetzt schon so fühlen? (Haustier, Freunde, Familie, der Bäcker von Nebenan)
  5. Wie würdest du dich fühlen, wenn du die Person freilässt? Panisch? Verzweifelt? Selbstbestimmt und frei? Wütend und unfertig?
  6. Wie kannst du die leere Hand des Kleinkindes in dir mit etwas Neuem füllen? Oder wäre es besser, sie für eine Zeit lang leer zu lassen?
  7. Was gewinnst du, wenn du die Person nicht loslässt? 
  8. Was gewinnst du, wenn du es tust?
  9. Was hast du zu verlieren, wenn du sie loslässt?
  10. Was hast du zu verlieren, wenn du es nicht tust?

Die letzten vier Fragen dienen einer ehrlichen Kosten-Nutzen-Aufstellung, mit der du dir klar darüber werden kannst, welchen Preis zu zahlen du bereit bist. 

Bei manchen Fragen dauert die Antwort eventuell ein wenig. Wenn dir nichts einfällt, überspringe die Frage. Komm aber unbedingt später wieder auf sie zurück. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, und gehe die Fragen auch mehrmals durch. Niemand erwartet von dir, dass du nach einer Stunde Reflexion alles verarbeitet hast.

Vielleicht benötigst du zum Abschluss ein reinigendes Abschiedsritual, um die Person vollständig loszulassen, vielleicht aber auch nur ein inneres “so, finito della musica!”. Folge deiner Intuition. 

Pst, übrigens… Wenn du nach den Fragen die Erkenntnis gewonnen hast, dass du diese Person noch ein wenig länger ‘in deinen Händen halten’ möchtest, darfst du dies gerne tun. Du allein entscheidest.

Fazit

Loslassen will gelernt sein.

Indem du diese Fragen beantwortest, lockerst du den fixierten Fokus auf diese eine Person und machst Platz für andere Menschen, neue Erfahrungen und vor allem: neue Gefühle. Nach und nach wirst du merken, dass deine Hand bereit ist, nach etwas anderem zu greifen.

Dies war nur ein kurzer Überblick über die wesentlichen Aspekte des Loslassens. Natürlich könnte man noch viel tiefer in das Thema einsteigen, aber das Bild vom Kleinkind, das stur sein Stück Dreck festhält, kann uns eine wertvolle Lektion lehren. Denke daran, wenn du dich auf dein persönliches Loslass-Abenteuer begibst. Es erfordert Geduld, Verständnis und vor allem Mitgefühl – für dich selbst.

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