Perfektionisten
In diesem Artikel soll es nicht darum gehen, Perfektionismus zu verteufeln.
Im Gegenteil, ich glaube, Perfektionismus hat seinen Platz in unserer Gesellschaft. Wir erhalten bessere Qualität, Gebäude, die tobende Kinder aushalten, zwischenmenschliches Vertrauen und Raumschiffe, die zum Mond fliegen.
Schwierig wird es, wenn wir uns selbst im Weg stehen und Angst haben, Fehler zu machen. Wenn unser Selbstbewusstsein und Wertgefühl vom Ergebnis abhängt.
Das kann dann sehr stark variieren.
( Selbstverständlich ist stolz sein erlaubt!
Aber dein Wert ist bedingungslos! )
Folgende Fragen zeigen dir, in welchen Bereichen und wie starkt dein Perfektionismus ausgeprägt ist.
- Wenn du einen auswählen müsstest, in welchem Bereich würdest du dich trauen, Fehler zu machen und unperfekt zu sein?
- Wann schiebst du Aufgaben vor dir her? Gibt es Gemeinsamkeiten?
- Welche Projekte liegen seit Wochen auf deinem Tisch?
- Wer bist du, wenn du scheiterst?
- Was passiert schlimmstenfalls, wenn du Fehler machst?
- Was denkst du über Leute, die ungenau arbeiten?
Fehler machen ist nicht das Problem. (Man denke nur an Edison und seine etlichen Versuche, eine Glühbirne zum Leuchten zu bringen.) Wie wir mit Fehlern umgehen, darum geht es.
Vielleicht hast du als Kind gelernt, dass Liebe und Anerkennung mit Leistung verknüpft sind. Und eine Strafe erhalten, wenn die Ergebnisse nicht stimmten. Es wurde nicht sauber zwischen Person und Verhalten getrennt. Die Person, also du, wurde mit dem Verhalten gleichgesetzt.
Diese falsche Schlussfolgerung dürfen wir jetzt auflösen.
Der Wandel
Ich lade dich ein, deinen Selbstwert unabhängig von Äußerlichkeiten festzulegen. Du darfst weiterhin stolz auf deine Ergebnisse sein. Genauso wie es ab sofort erlaubt ist, Fehler zu machen und unperfekt zu sein.
Wenn du ein Hardcore-Perfektionist bist, fällt dir die Vorstellung vielleicht schwer, einfach nur zu sein, um wertvoll zu sein. Einen ersten Schritt kannst du machen, indem du deinen Selbstwert vom Ergebnis abziehst und es auf dein Verhalten überträgst.
Also nicht die Kilometerzahl, die du gerannt bist, sondern dass du gerannt bist. Nicht das Ergebnis deiner Präsentation, sondern dass du sie gehalten hast.
Du bist jemand, die etwas tut, worauf sie stolz ist. Deine Identität wird durch deine Handlung geprägt.
Der nächste Schritt ist es dann, dir zu erlauben, Fehler zu machen, Projekte unperfekt abzuschließen und die Gefühle und Ängste halten zu lernen. Sich bewusst machen, dass der wunderbare, strahlende Mensch, der du bist, niemals in etwas Profanes wie eine Mathearbeit passt. Du bist viel zu groß dafür!
Gib dir Zeit, um diese Einstellung zu trainieren.
Sei liebevoll mit dir. Falls du zur Selbstkritik neigst, darfst du sie einstellen. Du musst dich nicht sofort loben und ganz toll finden. Du darfst nur die Kritik lassen.
Und hole dir Unterstützung. Das muss kein Coaching sein – deine beste Freundin reicht.